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Was ich mag

ANNE-SOPHIE MUTTER Violinistin

Was ich mag:
Musikalische Früherziehung. Den Klang der Wälder. Den Höhenrausch nach Schweizer Schokolade.
«Wittgensteins Neffe» von Thomas Bernhard und trotzdem meine Orden. Gustave Flaubert, Else Lasker-Schüler, Gabriel Garcia Marquez, denn die Liebe lebt ewig. Benefiz-Konzerte spielen. Das West-East Divan Orchestra von Daniel Barenboim. Zürcher Geschnetzeltes in der Kronenhalle unter einem Chagall. Freundschaften pflegen. Zuhören können. Das Lucerne Festival und den Vierwaldstätter See, in dem ich so gerne (frierend) schwimme. Uraufführungen aufregender Violinwerke. Musik von Henri Dutilleux, Andre Previn, Krzysztof Penderecki. Jazz mit Billie Holiday. Atemlose Stille im Konzert, damit ich pianissimo hauchen kann. Meine Freunde.

Was ich nicht mag:
Boulevardjournalismus, weil der Begriff Privatsphäre nicht existiert. Zeitgenössische Musik, die mit Fahrradldingeln und Nähmaschinen arbeitet. Religiöser Fanatismus. Unterbezahlung von Musildehrern und Krankenschwestern. Überkochte Pasta. Humorlosigkeit, Lügen, schlechte Intonation und andere Rücksichtslosigkeiten.


PIPILOTTI RIST Videokünstlerin
Was ich mag:
Statistiken, Manuals, Randen, Reis, Ananas, Ordnungslisten, Lexika, den Waldkindergarten, fanatische Profis auf ihrem Gebiet, übergrosse Unterwäsche mit Naht gegen aussen, Lauwarmes trinken, das andere Amerika, Deutschland, Österreich, Japan, Uniformen, meine Geschwister, verzeihende Freundinnen, mexikanische und türkische Handwerke rinnen (die besten nach meiner Erfahrung), Wissenschaftlerinnen, Wälder, Postkarten, meine Bubis kitzeln, ambivalenter Feminismus, autogenes Training, Pickel drücken, das Lochergut-Bistro und das Restaurant Limmathofin Zürich, Musik durchstöbernde Männer, Mams, Paps, Familientreffen, meine KollaborateurInnen, geflickte Nylonstrümpfe und reparierte Plastikgefässe, schuld sein, sich vergessen, sich mit allem eins fühlen.

Was ich nicht mag:
Sport, blöffige Coolness, Geschirr im Schüttstein, vergessene Versprechen, die Hypothese Erbsünde, vieles an Frankreich, keine Manieren, dass die europäischen Medien das andere Amerika ignorieren, schwarz tragen, dass unsere Instinkte nicht genügen, dass ich mir das Alter und die Grösse des Universums nicht vorstellen kann.

AXEL HACKE Schriftsteller (<<Nächte mit Bosch»)
Was ich mag:
Schmerzfreiheit. Aufs Meer blicken. Simenon. Dass ich ein Zuhause habe. Sommertage im Chiemgau.
Dass mein Kühlschrank sprechen kann.
Tiefschnee. Somerset Maugham. Carson McCullers' «Die Ballade vom traurigen Cafe». Bohumil Hrabal, vor allem «Schöntrauer». Das Gefühl von Leichtigkeit nach dem Schreiben. Das Thai-Curry meiner Frau. Wenn Kinder sprechen lernen. Anderen Leuten vorlesen. München. Dass ich nicht mehr zur Schule muss.
Den Satz: «Ja, Papa, mache ich sofort!»

Was ich nicht mag:
Wenn Unteroffiziere neben meinem Bett schreien. Die Klimakatastrophe. Rippenprellungen. Knieschmerzen. Tinnitus. Wenn ich was reparieren soll. Kinderkrankheiten. Das Deutsch von Anlageberatern und Klatschkolumnistinnen. Beim Essen: Lange warten, mit der Hand in den Teller schlagen, Rotwein über den Anzug kippen, wenn jemand ungefragt von meinem Teller isst. Wenn mir nichts einfällt. Leute, die zwei Fernseher haben, aber Fleisch im Sonderangebot kaufen. Den Satz: «Es wird gleich wehtun, Herr Hacke.»

JOHN BRACK (1950-2006) Countrysänger
was er mochte:
Brätkügeli mit Kartoffelstock. Meine Frau, Familie. Freunde.
Wenn die Idee, die ich von einem Song hatte, plötzlich Realität ist und aus den Boxen klingt. Wenn die Fans rufen:
«John, spiel s Praline!» - meinen grössten Hit. Nashville, Chicago und Memphis, wo die Musik überall zu spüren ist.
Jeder neue Tag. Autos, besonders die alten Ami-Schiffe (wir gaben ihnen Namen, Big Ben, Barnie und Henriette, meine treuen Wegbegleiter on the road).
Meine Körpergrösse, einsneunzig, man kommt unbehelligt durch Menschenmengen und hat immer den Überblick.

Was er nicht mochte:
Den betörenden Duft, wenn jemand neben mir ein Fischgericht isst, dann vergeht mir der Appetit auf mein Steak. Rote Ampeln. All die endlosen. nie fertig werdenden Baustellen. An heissen Sommertagen kein kühles Cola light bekommen. Lieb gemeinte, aber gigamässig viele Ferienfotos via Mai! bekommen, die meinen PC blockieren. Sonntagsfahrer während des Hauptverkehrs. Wenn Kinder nicht ernst genommen werden. Nörgler.
Angaben von Barbara Brack CD: «Jumpin' Jack Brack», ab 13. Oktober

SIMONETTA SOMMARUGA Ständerätin
Was ich mag:
Die späten Streichquartette von Ludwig van Beethoven, Single Malt Whisky, Abstimmungskämpfe mit ungewissem Ausgang. Männer, die exzellent kochen. Lange Zugfahrten. Afrikanische Nächte, Bücherberge, naturverbundene Bäuerinnen und Bauern. Die Tunesienbilder von August Macke. Alphornklänge, Bierliebhaberinnen, Raymond Carvers Kurzgeschichten. Ein Baby auf dem Arm wiegen und es in den Schlaf singen. Blühende Quittenbäume, kluge politische Gegner, indische Miniaturen. Kastanienhonig.

Was ich nicht mag:
Schweineleber. Opportunisten, Hintergrundmusik, V elofahren, Männer mit weis sen Socken. Abstimmungskämpfe mit vorbestimmtem Ausgang. Sitzungen, die vor acht Uhr morgens beginnen. Die meisten Formen von Lärm (besonders Laubbläser, Staubsauger, Benzinrasenmäher, Klimaanlagen und so weiter). Langfädige Comboxnachrichten. Verwöhnte Katzen. Mäuse. Offiziersbälle. Abkürzungen. Schwachen Schwarztee und erst noch ohne Milch. Insiderslang, Papier bündeln, Amöben und Lamblien, Computerabstürze. Sand im Salat.

JEAN RENO Schauspieler (<<The Da Vinci Code»)
Was ich mag:
Lachen. Ich lache sehr viel. Alles, was ich mache, tue ich sehr ernsthaft - aber danach lache ich darüber.
Sonnige Tage. Und solche, an denen ich nichts zu tun habe. Sonnige Tage, an denen ich nichts zu tun habe, in meinem Haus in Südfrankreich. An solchen Tagen Musik machen, egal was, Geräusche machen, auf Sachen hauen, bumm, klack, klirr, auf der Gitarre klampfen, mich ans Klavier setzen. Dass ich genug Geld habe, um mir Freiheit zu kaufen ich kann jetzt anrufen und sitze in zwei Stunden im Flugzeug, wohin auch immer. Lesen. Essen. Familie. Liebe.

Was ich nicht mag:
Konventionen, bourgeoise Uniformität in den Köpfen der Gesellschaft. Uniformen in Köpfen sind gefährlicher als solche, die man anzieht.
Das macht mich müde. Die Blödheit der Menschheit. Jemand hat mal gesagt, wenn ich mir die Blödheit der Menschheit anschaue, kriege ich ein Gefühl für die Unendlichkeit. Die Welt ist manchmal so durchgeknallt. Und ich rede von Menschlichem, nicht von Politik. Wenn ich mit meinen Kindern unterwegs bin und ständig angesprochen werde, meine Kinder hassen das. Alleine zu essen.

LAURIANE GILLIERON Miss Schweiz
Was ich mag:
Katzen und alle Tiere mit Fellen, die man küssen kann. Weisse Schokolade, gefüllte Schokolade, LindtKugeln. Swiss Fondue im Swiss Chalet.
Sport am Morgen. Fitnessstudios, wenn sie fast leer sind. Bonbons, die kitschige Farben haben, jeder Kiosk bringt mich in Versuchung. Den Sommer. Weitwegreisen. Gemütlich durch die Gegend fahren, im Auto oder egal wie. Relaxmassage im Gesicht, an den Händen, den Füssen.
Whitney Houston und James Blunt. TV schauen, alle amerikanischen Soaps, Krimis. Die Filme «Troja» und «Lord of the Rings». Pasta und Pizza essen. Lachen, shoppen. Shoppen. Kleine Geschenke, zum Beispiel Teddybären, wenn sie von Herzen kommen. Weisse Rosen, alle Rosen. Am liebsten weisse und rote. Mich schminken. Ins Restaurant gehen. Kochen. Geld sparen.

Was ich nicht mag:
Böse Menschen. Solche, die andere hänseln und verspotten. Fleisch, Fisch und Horne Stories ; ).
Alle Insekten ausser Glückskäfer. Rassismus. Steuern zu bezahlen tut mir weh. Hardrockmusik. Vulgäre Männer, die auf den Gehsteig spucken. Graue und nasse Winter.

ANDI STUTZ Seidenfabrikant
Was ich mag:
Mein Bett. Einen ruhigen Morgen. Tatendrang. Ausufernde Pausen. Kopfsalat im Sommer, Krautsalat im Winter. Knoblauch. Rotwein. Krankenschwestern. Gärtner. Schlingel. Taxifahrer. Service. Faulenzen am Sonntag.
Faulenzen am Montag. Bezahlte Rechnungen. Angeheiterte Gäste. Öffentlichen Nahverkehr. Fantasie. Farben.
Kunst, die mir gefällt. Handwerk. Opulenz. Gratwanderungen. Verwilderte Gärten. Vogelgezwitscher. Alles an Cecilia Bartoli. Treue Freunde. Vivienne Westwood. Zürich. Tokio. Moskau. Paris.
Höflichkeit. Frisch gebügelte Bettwäsche. Katerfrühstück.

Was ich nicht mag:
Etikette. Den Haufen mit der unerledigten Post. Sashimi und Coquilles Saint-Jacques. Blender. Geiz.
St. Moritz. Schleim. Glamour. Erdbeeren im Winter. Schnickschnack. Diäten.
Fitness- und Swingerklubs. Fusspilz.
Bierfahne. Wanderpokale. Vernissagen.
Puritaner. Bittsteller. Heuchler. Hooligans. Spielcasinos. Fundamentalisten.
Dolce & Gabbana. Kopisten. Trendsetter. Besserwisser. Labelsex. Langeweiler.
Grillpartys. Halbseidenes. Black Tie. Geschmacklosigkeit. Schmutzige Wäsche.

KURT WÜTHRICH Chemie-Nobelpreisträger
Was ich mag:
Mich wohl fühlen. Im Sport Grenzen testen. Nach langen Flügen in den Westen sehr früh morgens voll da sein müssen. Einige Kilos abspecken, die Erleichterung danach.
Saunabesuche. Jacuzzi, besonders im Mondschein. Jede weitere Sorte Luxus.
Immer wieder Neues erleben. Selber Neues beitragen. Den Überblick gewinnen und und die Kontrolle von komplexen Abläufen erarbeiten. Lebendiges in der Wüste entdecken. Offenheit und eindeutige Stellungnahmen in meiner Umgebung. Die Musik von Armstrong, Bach, Mozart. Gemälde von Impressionisten. Sonnenaufgänge und -untergänge in aller Welt.

Was ich nicht mag:
Jede Art von AlibiTätigkeit. Jede oberflächliche Geschäftigkeit ohne Ziel und ohne Ertrag. Zeit opfern, um Geld zu sparen. Die Neigung, vermeidbare Unannehmlichkeiten zu ertragen. Einige Kilos zunehmen. Nörgelei. Lange Zugfahrten. Rauch.
All den irrationalen religiösen Fanatismus und die sich weltweit daraus ergebenden Ungerechtigkeiten wie Krieg und Terrorismus. Zu viel Demokratie am falschen Ort.


@aku 20.07.07 | info@kuepfer.ch

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